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Wir basteln uns einen Virus
Froschaugen, Fledermausohren und Giftkraut sind was für Hexen - Viren 'kocht' man anders.
Früher waren Virus-Programmierer noch echte Spezialisten, die in Assembler mit den Bits nur so jonglierten. Heute ist das anders: Mit einem "Virus Construction Kit" kann wirklich jeder User sein eigenes "Monster" erschaffen und auf die Menschheit loslassen. Das ist in etwa so einfach, als würde man in seiner Textverarbeitung einen Brief schreiben. Die Anzahl der für diesen Zweck verfügbaren "Viren-Generatoren" ist beängstigend. Nahezu für jedes Einsatzgebiet gibt es spezielle Tools, mit denen sich vom "harmlosen" Gag-Virus bis hin zum ausgefeilten Trojaner so ziemlich jeder nur denkbare Schädling ohne großartige Programmierkenntnisse zusammenwürfeln lässt. Der bekannteste Vertreter dieser "Virenküchen" ist der Vbs WG (Visual Basic Script Worm Generator).
Der Vbs WG fand zum Beispiel beim unliebsamen "Kournikova-Virus" und dem "Homepage-Wurm" Verwendung , der erst kürzlich zahlreiche Rechner weltweit infizierte. Auf dem Hauptbildschirm kann man seinem Wurm einen Namen geben und sich mit einem tollen Pseudonym als Urheber kenntlich machen. In den Untermenüs wird das Verhalten des Wurms nach der Infektion eines Systems festgelegt:
- Soll der Wurm bei jedem Start aktiv sein?
- Was steht in den infizierten Mails, die wie immer an alle Adressen im Outlook-Adressbuch verschickt werden?
- Soll auch Mirc (das bekannteste Windows-Programm für Internet Relay Chat - IRC) infiziert werden?
- Welche Dateien werden infiziert?
- Was für Schaden (Payload) soll der Wurm anrichten?
Ein paar Extras wie Verschlüsselung oder Lösch-Schutz können ebenfalls hinzugefügt werden.
Zum Schluss auf "Generate" klicken und fertig ist ein neuer Wurm!
Programmierer am Pranger
Bei der ersten Ausführung des Programms blinkt ein Text auf, dass sich der Autor von allen Schäden distanziert und jeder für die Folgen selbst verantwortlich ist. Die Frage ist, ob man es sich so einfach machen kann, schließlich ermöglicht der Vbs WG wirklich jedem User mit einem Windows-Computer, einen Wurm auf die Internet-Gemeinde loszulassen. Auch wenn man meint, dass der Fall eigentlich klar auf der Hand liegt und geneigt ist, dem Programmierer der "Viren-Küche" die Schuld anzulasten, sollte ein durch diese Software erschaffener Virus große Schäden verursachen, gibt es einen vergleichbaren Fall, der sich anders verhält: Die Waffenindustrie wird auch nicht für die Opfer verantwortlich gemacht, die durch Messer und Pistolen verletzt oder getötet werden.
Ich bitte alle Leser dieses Artikels, das erlangte Wissen nicht zu missbrauchen, dies ist ein reiner Tatsachenbericht, der die Problematik "Viren" und deren "Entstehung" beleuchtet und kritisch die negative Entwicklung eben dieser als Warnung veranschaulichen soll.
20.05.01 06:33 | Link
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